Hamburg

Neulich schoss mir eine Idee durch den Kopf. Wieso nur immer über das eigene Essen schreiben? Wieso nicht ab und zu auch über Essenserfahrungen außerhalb der eigenen Küche berichten?

In dieser Rubrik könnt ihr ab sofort etwas über meine Begegnungen mit nicht-selbst-hergestellten-Gerichten lesen. Ich möchte auch gar nicht zu lange rumquatschen und gleich damit loslegen, mir brennt es nämlich schon unter den Nägeln.

Meine neue Rubrik heißt "Wo kommst du denn her?" und darin findet ihr verschiedenen Berichte über meine Begegnungen mit meinem Lieblingshobby. Diese müssen nicht immer Restaurantberichte sein, ich möchte hier an dieser Stelle auch keine Bewertungen oder sondergleichen abgeben. Diese Rubrik dient lediglich dazu, über Gerichte zu schreiben, von denen ich denke, dass ihr es erfahren müsst. Lange Rede, kurzer Sinn... nicht lange schnacken ... los geht´s.

Starten wir mit meiner Lieblingsstadt Hamburg.





"Wo kommst du denn her?", ich komme gerade aus meiner Lieblingsstadt Hamburg.

Mein Aufenthalt beschränkte sich lediglich auf drei-viel-zu-kurze-Tage. Dafür hatte ich, für Hamburg vermutlich, die heißesten Tage im Jahr angetroffen. Ganze 32 Grad zeigte das Thermometer zwischendurch an. Genügend Grund sich regelmäßig mit einem eiskalten Astra zu erfrischen. Damit einem der Alkohol bei so viel Hitze aber nicht gleich unkontrolliert in den Kopf schoss, musste natürlich regelmäßig gegessen werden. Während der Tisch neben mir in zügigen Abständen Astra gepaart mit Korn bestellte, machte ich mich über die Speisekarte her und entschied mich ziemlich zügig für frischen, kalten Matjes mit Zwiebeln und Kartoffel-Sellerie-Stampf. Backfisch mit schönem schlonzigem Kartoffelsalat hätte mich zwar auch angelacht, aber bei solch einer Hitze habe ich mir keine heiße Panade vorstellen können. Bevor ich mein Essen bekam, hatte mein Nebentisch bereits eine weitere Runde Astra-Korn bestellt, für mich ein Rätsel wie die zwei Midlife crisis men´s das wegsteckten. Aber sie sahen noch gut aus dabei.

Meine Matjes nahm ich übrigens auf der Dachterrasse vom Blockbräu, direkt an den Landungsbrücken ein, mit einer wundervollen Aussicht zum gegenüberliegenden Containerhafen. Als Willkommensgruß einfach ein perfekter Start für ein paar wunderbare Tage in Hamburg. Meine Matjes lagen bei einem Preis von ca. 13 Euro, was einen Münchner nun wirklich nicht erschüttern lässt. Top Aussicht, Top Qualität - mein Fazit hierfür - jederzeit wieder. Wer übrigens auf eigens gebrautes unfiltriertes Bier steht, kommt hier zusätzlich auf seine Kosten. Blockbräu bietet unter anderem auch Braurereiführungen an und besitzt ganze vier Bars. Somit sollte keiner durstig, geschweige denn hungrig dort das Haus verlassen müssen.

Am nächsten Tag ging meine Reise weiter durch das Foodfestival direkt auf St. Pauli. Dort stellten ca. 20 Foodtrucks ihr Bestes zur Show. Von Burger zu thailändischem Reis über Crepes bis hin zu Craft-Beer war wirklich alles geboten. Obwohl es soviel Auswahl gab, zog es mich doch zu den Burgern hin. Vielleicht kennt ihr das? Unendlich viel Auswahl und dann geht man doch zurück zu etwas gewöhnlichem, was einem vertraut vorkommt. So nahm ich also einen Burger. Überraschenderweise war dies jedoch kein gewöhnlicher Burger mit Salat, Tomate und Buns, nein! Er bestand lediglich aus einem einfachen Vollkorntoast, Käse, Patty und einer einmalig guten Sauce, die ich leider nicht gut genug definieren konnte, um sie nachzumachen. Das A und O ist ein einwandfreies frisches Hackfleisch darin zu verarbeiten. Dieser "einfache" Burger war wirklich großartig. In naher Zukunft werde ich versuchen diesen so nachzustellen, um für euch ein Rezept zu entwickeln. Der Clou an der ganzen Geschichte war für mich der, dass es ein Burger für jedermann sein kann. Mit Vollkorntoastys kann man nichts falsch machen, Patties grillen auch nicht, fehlt wie gesagt noch die Sauce, aber in diese Richtung werde ich mich noch schlau machen, versprochen!

Am Vorletzten Tag zog es mich zu Brücke 10. Ein Krabbenbrötchen (ich muss mich so anstrengen, nicht Krabbensemmel zu schreiben!) musste sein. Da der diesjährige Krabbenpreis zwecks Mangel an Krabben auf 9.50€ gestiegen ist, lies es mein Geldbeutel leider nur einmal zu, in Genuss eines so ausgezeichneten Brötchens zu kommen. Was ich aber an dieser Stelle schon vorweg nehmen muss ist, dass es jeden Cent wert war! Wer noch nicht bei Brücke 10 an den Landungsbrücken war, sollte dort dringend zeitnah vorbeikommen. Es liegt ganz am Ende der Landungsbrücken (in Richtung Fischmarkt) und ist nicht so von Touristen überfüllt. Wie gesagt, dieses Jahr muss man die Geldbörse leider weit aufmachen, jedoch sind die Brötchen wirklich üppig gefüllt und die Krabben werden nicht von einer lästigen Marinade ertränkt. Das Brötchen an sich ist alleine eigentlich schon eine Schau. So resch und knusprig, wie ich es eigentlich nur von einer Wiesnbrezn kenn ;-) Für mich ein No-Go aus Hamburg zurück zufahren, ohne nur eine Krabbensemmel...ähhh - Brötchen - sorry! gegessen zu haben. Ich hoffe auf bessere Preise wenn ich das nächste Mal komme, dann nehme ich bestimmt auch zwei, oder drei... :-)

 

Meinen Abschlussabend fand ich im Caramba Especial. Das freundliche und zuvorkommende Lokal befindet sich im Portugiesen-Viertel. Wer noch nicht dort war, sollte dieses Restaurant unbedingt einmal besuchen. Die ganze Aufmachung, der Flair ist alleine ein Besuch wert! Begrüßt wird man von netten südländischen Kellnern, mit Handschlag. Kurz darauf folgt die Frage, was man denn trinken möchte und wieder rum kurz darauf wird man aufgefordert, sich zurückzulehnen, sich zu entspannen, sie kümmern sich nämlich jetzt um den Rest! Was ich nicht wusste war, dass es nämlich keine Speisekarte gab. Für das gesamte Restaurant ist nämlich nur ein Menü vorgesehen und das bestand vor allem aus Fisch! Wer als kein Fisch mag, kann hier das Lesen aufhören. Das Menü bestand aus einer Vorspeise: Scampis in einem Knoblauch-Koriander-Sud. Flambiert und zwar am Tisch. Etwas peinlich, wenn die Nachbartische dann so staunen. Auf die wiederrum kam das ganze zeitverzögert auch noch zu, das wussten sie jedoch noch nicht. Vom Nebentisch (die schon bei der Nachspeise angelangt waren) bekam ich den Tipp nicht all zuviel Brot zu essen, da die Hauptspeise die aus einer großen Fischplatte bestand, sehr üppig ist und das ganze kaum zu schaffen sei. Blöd war nur, dass der Tipp vom Nebentisch etwas zu spät kam. Da hatte ich nämlich schon fast den Brotkorb, der zu Dips und Oliven gereicht wurde fast aufgegessen. Als dann die Fischplatte kam, hörte ich die Worte "iss nicht zu viel Brot" noch in meinen Ohren raunen, da war es aber schon zu spät. Der Fischteller bestand aus fünf verschiedenen vorzüglichen und absolut frisch zubereiteten Fischstücken, begleitet von leckerem mediterranen Ofengemüse und vier unterschiedlichen Dips. Und wenn man denkt es geht nicht mehr, kommt von irgendwo eine Nachspeise her. Und wenn man denkt man kann nicht mehr, macht dein Magen plötzlich unerwartet Platz und auch das Dessert geht noch rein. Die Nachspeise bestand aus einem Schoko-lava-kuchen, lauwarm versteht sich. Begleitet wurde dieser von einem kleinen Apfel-Ananans-Salat in Kombination mit einem hausgemachtem Eis. Das Menü lag bei 35 € pro Person, was ich durchaus gerechtfertigt finde, denn die Qualität war wirklich frisch und wirklich traumhaft. Falls ihr also jemals daran vorbei kommen solltet, geht hinein. Ich kann es nur empfehlen! Zwischendurch werdet ihr von live-Musik direkt am Tisch verwöhnt. Der Gastgeber kam regelmäßig mit einem großen Adlerfisch aus der mit Eis gekühlten Auslage zu den einzelnen Tischen, um den Gästen seinen "Insider"-Fisch zu zeigen. Fazit - für den Gaumen eine wahre Freude, Abwechslung ist durchaus geboten und für mich war es ein unvergesslicher Abend. Der Tisch, von dem der zarte Hinweis kam, wurde mittlerweile neu besetzt. Mein Inneres konnte nicht anders, als dem netten Pärchen den lieb gemeinten Hinweis zu flüstern "esst nicht zu viel Brot"!