München - "LONGGRAIN"

"Wo kommst du denn her?"

Ich war vor kurzem Gast bei "LONGGRAIN". Hört sich an wie ein dunkler Ort aus "Harry Potter" ist aber ein feines, kleines thailändisches Restaurant in der Belgradstraße 45. Der ganze Name lautet "Longgrain Thai Cuisine" (ohne Geschmacksverstärker). So steht es auf der Visitenkarte die ich mitgenommen habe. Da es von außen sehr unscheinbar wirkt, schweifte mein Blick erst einmal über die Restauranteinganstüre. Aber kaum darin angekommen, war ich von der unglaublichen Gastfreundschaft wie verzaubert.

Vorab sei gesagt, dass in diesem Lokal kaum ein Tisch ohne Reservierung zu bekommen ist. 90% der Gäste die spontan vorbei kamen, wurden leider verwiesen. Ein paar die nicht darauf verzichten wollten nahmen bei 13 Grad Außentemperatur auch draußen im Freien Platz was dafür sprach, dass sie wirklich aus ganzem Herzen darauf bestanden dort Essen zu wollen.

Sicher wollt ihr wissen, was mich dazu bewegt hat, genau über dieses Lokal in München zuschreiben. Ich denke es ist einfach der Funke der überspringt und du weißt, davon musst du berichten! Bei mir ist der Funke übergesprungen, als die Besitzerin zu mir an den Tisch kam und fragte "ob ich das erste Mal da sein würde?". Dann kam nämlich das ganz Besondere des Abends (abgesehen vom Essen natürlich). Habt ihr schon einmal erlebt, dass euch jemand die gesamte Speisekarte erklärt und erläutert? Angefangen vom Appatizer über Vorspeise, Hauptspeise bis hin zur Nachspeise? Nicht? Dann geht dort hin! Nachdem ich nämlich ihre Frage mit "nein" beantwortet hatte, bewaffnete sich die Besitzerin mit einem Teller voll mit buntem thailändischem Gemüse und kam zurück zu meinem Tisch. Ich muss wirklich zugeben, so etwas habe ich noch nicht erlebt! Die warmherzige Frau ging mit mir in alle Ruhe die gesamte Speisekarte von vorne bis hinten durch, bis wirklich keine Fragen mehr offen blieben. Was mich besonders beeindruckte war, dass die Küche keine Geschmacksverstärker einsetzt und man wirklich jedes Gericht auch in vegetarisch bestellen konnte. Ihr denkt vielleicht das ist jetzt aber nicht wirklich der Burner?! Finde ich schon! Denn wenn ich manchmal in anderen Restaurants darum bitte, eine Beilage durch eine andere zu ersetzen, klappt das meist nur zu 50%.  Bei den anderen 50% hat es entweder die Küche vergessen oder vergeigt, oder es ist schlicht weg nicht möglich, da gerade Hochbetrieb sei und den Mehraufwand das Personal nicht leisten kann. Von daher finde ich das durchaus sehr beeindruckend. Nachdem ich alle Gemüsearten von Thai-Aubergiene über Zitronengras bis hin zum Bananenblatt kennen lernen durfte, blieb nur noch eine Frage offen. Für was ich mich nun entscheiden würde. Die Karte ist nicht all zu groß, trotzdem viel die Entscheidung schwer.

Ich entschied mich für einen Appatizer. Dieser bestand aus einem Pfefferblatt mit Garnelen, Zitronengras und u.a. Chilifäden. Das Ganze isst man am Besten mit den Fingern, da man den gesamten Inhalt in das Blatt einrollen soll. Als ich es probierte fand ich die 2,50 € vorweg perfekt angelegt. Das alles zusammen war eine echte Geschmacksexplosion!

Als Vorspeise durfte ich mich durch feingehacktes Hühnerfleisch, kleingewürfelte Kartoffeln gebraten mit Zwiebeln und Curry als Füllung in frittierten Teigtaschen essen. Serviert mit einem Dip aus thailändischer Chilli-Sauce für 6,10 €. Wieder umwerfend! Fast gleichwertig umwerfend fand ich, dass die Besitzerin sich beim Servieren entschuldigte, dass der Blätterteig nicht selber gemacht sei, sondern fertig gekauft. Ich meine, wo gibt es denn heutzutage bitte noch ein Restaurant die ihren Blätterteig selber machen? Über ihre Entschuldigung musste ich fast ein wenig schmunzeln, da ich zugegeben schon alleine davon beeindruckt war, dass die Teigtaschen selbst befüllt wurden und keine vorproduzierte Fertigware war.

Eine andere Vorspeise die ich für euch noch fotografisch festgehalten habe, waren Flügelbohnen mit Ei und Sate-Sauce. Dazu sei gesagt, dass die Bohnen knack frisch waren, also noch mit Biss und die Erdnussauce hervorragend dazu passte.

Da noch Platz im Bauch war, gab es für mich als Hauptspeise gegrillte Ente in dünnen Scheiben auf rotem Curry mit Litschi. Zuerst war ich auch skeptisch, ob Litschi nicht als kleiner Drink parallel zur Rechnung besser passte, aber ich lasse mich ja gerne eines Besseren belehren und es passte hervorragend zueinander. Bei diesem Gericht sei jedoch Vorsicht geboten! Wer keine Schärfe verträgt und ich meine richtige Schärfe, sollte sich für etwas anderes entscheiden. Ich esse gerne und viel scharf, aber auch dieses Gericht brachte mich an meine Grenzen. Geschmacklich wirklich top! Vor allem auch die Ente. Ohne Knorpel oder überflüssigem Fett (wie man es leider oft serviert bekommt), einfach nur zartes und feines Fleisch. Das alles gab es incl Reis für 15,50 €.

Mein zweiter Favorit des Abend wäre noch gebratenes, mariniertes zartes Schweinefleisch (für 13,50 € oder wahlweise mit Entenfleisch für 15,50 €) mit Knoblauch, Chili, Thaibasilikum und Bohnen gewesen. Da der Thaibasilikum aber frittiert wird und mit der Zeit etwas sehr üppig werden könnte, war ich voll und ganz mit meiner Auswahl zufrieden.

Als Dessert hätte es zwei verschiedene auf der Karte gegeben. Zum einen den Klassiker, Mango auf Klebreis in Kokosmilch und Zucker oder luftig-feiner Kuchen mit Karamelsauce serviert mit Vanilleeis. Da aber absolut nichts mehr rein ging muss ich das unbedingt auf das nächste Mal verschieben. Vielleicht gibt es dann keine Vorspeise. Auf den Appatizer jedoch verzichte ich auf keinen Fall! Soviel steht schon einmal fest!